Mein Kind „tickt“ anders – Herausforderung Neurodivergenz 

Wutausbrüche, Über- oder Unterforderung in der Schule, seltsame Gewohnheiten, ungewöhnliches Essverhalten oder auch Schwierigkeiten im sozialen Umgang können ein Anzeichen für Neurodivergenz bei Kindern und Jugendlichen sein. ADHS, Autismus-Spektrum-Störung, Lese-Rechtschreib-Schwäche und Dyskalkulie sind bereits besser bekannt, doch auch Hochsensibilität, Hochbegabung und das Tourette-Syndrom zählen dazu. Kurzum ist Neurodivergenz ein Sammelbegriff für alles, was von der (gesellschaftlichen) Norm abweicht.

Manchmal sind Symptome nicht deutlich genug, sodass man zuerst nicht daran denkt, dass das Kind neurodivergent sein könnte. Ausprägungen und Verhaltensweisen sind sehr individuell, bei Mädchen anders als bei Jungen und unterliegen im Laufe der Zeit auch einer Veränderung. Oftmals wird Neurodivergenz sogar erst im Erwachsenenalter festgestellt.

Fest steht, dass neurodivergente Kinder und Jugendliche tagtäglich in einem Schul- und Sozialsystem klarkommen müssen, das nicht auf ihre Bedürfnisse ausgelegt ist. Deshalb stellt Neurodivergenz für die ganze Familie eine echte Herausforderung dar, wobei viele Aufgaben meistens Mütter übernehmen, die dadurch besonders belastet sind.

Für eure Familie heißt das, dass ihr gemeinsam „lernen“ müsst, die Besonderheiten der Neurodivergenz zu akzeptieren. Dabei stoßt ihr häufig an eure Grenzen und auf Unverständnis im sozialen Umfeld. Dazu kommt noch, dass Therapien und Arzttermine viel Zeit in Anspruch nehmen.

Umso wichtiger ist es, dass ihr als Eltern Selbstfürsorge betreibt. Feste Routinen, klare Regeln und eindeutige Absprachen vereinfachen euer Familienleben. Schafft euch auch ganz bewusst eigene Frei-Räume, bevor ihr nur noch funktioniert. Eine halbe Stunde ein gutes Buch lesen, Musik hören oder einfach nur Spazierengehen dient eurer Entspannung. Ein guter Tipp: baut dafür direkt feste Termine in euren Zeitplan ein.  

Nehmt so viel Hilfe in Anspruch, wie ihr könnt. Tauscht euch mit anderen Eltern und/oder Betroffenen aus, denn ihr seid nicht alleine. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht und bei einem Gespräch ergeben sich neue Ideen oder bestenfalls Lösungen für eine festgefahrene Situation. Gesellschaftliche Normen führen dazu, dass ihr als Eltern ein Gefühl bekommt, „versagt“ zu haben. Das ist falsch und tut weder euch, noch euren Kindern gut.

Neurodivergente Kinder und Jugendliche besitzen individuelle Stärken. Im täglichen Chaos vergisst man das gerne. Doch nur durch Aufklärung und Akzeptanz haben diese jungen Menschen die Möglichkeit, ihr Potenzial auch zu entfalten.

Ein gutes Gespräch über die eigene, persönliche Situation ist der erste Schritt zur Selbstfürsorge und danach sieht die Welt schon ganz anders aus. Bei Bedarf könnt ihr mich gerne direkt anrufen oder anschreiben.